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Odin fährt Sprinter: Polizeieinsatz auf den Färöer Inseln.

Ein Sprinter fährt auf einer Küstenstraße

Es ist etwas ganz Besonderes, Polizist auf den Färöern zu sein. Warum? Begleiten Sie uns einen Tag mit dem Sprinter 316 CDI und dem Speedboot von Kommissar Heri Andreassen.

Die Insel der seekranken Wikinger.

Der Sage nach brach um 800 n. Chr. eine Flotte Wikingerschiffe aus Norwegen in Richtung Island auf. Diejenigen, die unterwegs seekrank wurden, ließ man auf den Färöern aussteigen. Zwar sollen sich schon zuvor irische Mönche auf den Schafsinseln – so der wörtlich übersetzte Name – als Einsiedler niedergelassen haben. Aber mit dem Aufenthalt der Wikinger mit den sensiblen Mägen begann die eigentliche Besiedlung der Inselgruppe.

Heri Andreassen hat von diesem Erbe nicht viel abbekommen – zumindest wird er nicht seekrank. Der Kommissar der Färöer Polizei ist Profitaucher und verantwortlich für die Einsätze des hochseetauglichen Speedboots der Ordnungshüter auf den Felseninseln, die auf halbem Weg zwischen Island und Schottland mitten im Nordatlantik aus dem Meer ragen. Dafür sollte er auch seefest sein, denn die See ist oft rau rund um die Eilande, auf denen heute knapp 48.000 Menschen wohnen.

Der Kommissar sitzt in seinem Sprinter

Der Kommissar und das Meer – Heri Andreassen ist einer der Einsatzleiter der fünf Wachzentralen.

Wie die Dänen haben wir eine eigene Sprache, eine eigene Mentalität und sind stark mit der Natur verbunden.

Präsenz auf hoher See.

Das Speedboot, eine Polarcirkel 760, die auf den Namen „Odin“ getauft ist, kann von zwei mächtigen Außenbordern innerhalb kürzester Zeit auf annähernd 80 Kilometer pro Stunde beschleunigt werden. Das Boot wird eingesetzt, um Alkohol- und Passkontrollen auf Seglern und Motorbooten durchzuführen, die in die Gewässer einfahren. Auch wenn politische Aktivisten ohne Genehmigung auf See protestieren, zum Beispiel gegen das traditionelle Schlachten von Grindwalen in den färöischen Fjorden, treten Heri Andreassen und seine Männer in Aktion.

Die Polizisten sind in ihrem Speedboot unterwegs

Übers Wasser verbunden: Mit dem Speedboot wird so mancher Ort am schnellsten erreicht.

Großeinsatz zum Länderspiel.

Allerdings arbeitet der 52-Jährige mit dem verschmitzten Lächeln meistens an Land als einer der Chefs der Wachzentralen in der Hauptstadt Thorshavn. Gibt es einen größeren Einsatz, zum Beispiel ein Fußball-Länderspiel oder einen schweren Verkehrsunfall, dann springen die Beamten in ihre zwei Sprinter und fahren zum Ort des Geschehens. Während der eine Sprinter primär als Transporter für Spezialkräfte eingesetzt wird, dient der andere den Polizeiführern als mobile Kommandozentrale. Außerdem transportiert er die Mannschaft des Speedboots und bringt es bei Bedarf mit seinem Trailer sicher zu Wasser.

Sprinter lässt Speedboot auf Anhänger zu Wasser

Der Sprinter bringt das Speedboot schnell und sicher zu seinem Einsatzort.

Jeder kennt jeden auf den Inseln.

Das alles klingt nach einem aufregenden Job. Aber meist ist es ruhig, und eine der wichtigsten Führungsaufgaben von Andreassen ist, dass seine Mannschaft trotz der Ruhe operativ und qualitativ immer gut aufgestellt ist, sollte doch einmal etwas passieren. Dafür hat sich der Vater von vier Kindern über Jahre immer wieder in Kopenhagen weiterbilden lassen.

Es besteht dennoch ein großer Unterschied zwischen der Arbeit als Polizist in Dänemark und auf den Färöern, sagt Andreassen, der schon beides ausprobiert hat. „In Dänemark ist man im selben Augenblick anonym, in dem man seine zivile Kleidung anzieht. Bei uns kennt jeder jeden. In Dänemark fahre ich zu einem Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang und kenne das Opfer nicht. Hier ist das anders, und so ist man auf besondere Weise belastet und trauert mit den Angehörigen.“

Ein Sprinter fährt durch die felsige Landschaft der Färöer

Bereits wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Thorshavn zeigt sich die schlichte und doch beeindruckende Schönheit der Färöer.

Tradition und Zusammenhalt.

Nicht nur die Polizeiarbeit, auch viele andere Lebensbereiche unterscheiden sich in Dänemark und auf den Färöern stark, berichtet Andreassen weiter. „Wie die Dänen bilden wir zwar auch eine moderne Gesellschaft mit allen Annehmlichkeiten und einer Grundsicherung, aber unser Volk lebt seit mehr als 1.000 Jahren auf den Inseln. Wir haben eine eigene Sprache, eine eigene Mentalität und sind stark mit der Natur verbunden.“

Ein weiterer großer Unterschied ist das Gemeinschaftsgefühl. Wer im rauen Klima des Nordatlantiks überleben will, muss sich aufeinander verlassen können. Haupterwerbsquelle für die Menschen und Grund des Reichtums auf den Inseln ist die Fischerei. Riesige Hochseetrawler warten in Thorshavn auf ihren nächsten Einsatz in der eisigen Barentssee. In den Fjorden gibt es zahlreiche Lachsfarmen. Und in der 200-Seemeilen-Zone rund um die Inseln werden ungehindert von Brüsseler Fangquoten – die Färöer gehören nicht zur EU – Kabeljau und Makrelen gefischt.

Ein gesetzestreuer Pirat.

Der Archipel misst von Norden nach Süden 118 Kilometer bei einer Breite von 75 Kilometern. Nur acht der Inseln sind über Brücken oder Tunnel miteinander verbunden, der Rest ist auf regelmäßig verkehrende Fähren oder Hubschrauber angewiesen. Straßen existieren oft nur entlang der extrem zerklüfteten 1.289 Kilometer langen Küste. In vielen Fällen kommt die Polizei am schnellsten mit dem Boot ans Ziel. Dann sind die Dienste von „Odin“ und Sprinter gefragt. Und von Heri Andreassen, der auch bei hohen Wellen immer einen kühlen Kopf bewahrt und nicht seekrank wird. Seiner dunklen Haare wegen ziehen ihn manche Kollegen auf, er sei vermutlich ein Abkömmling jener nordafrikanischen Piraten, die um 1600 auf den Färöern ihr Unwesen trieben. „Vielleicht bin ich deswegen seefest“, meint Andreassen mit einem Schmunzeln. „Piraten werden natürlich nicht seekrank.“

Ein Sprinter vor einem Fjord und bergigem Gelände

Von den 18 Färöer-Inseln sind nur acht über unterseeische Tunnel oder Brücken miteinander vernetzt.

Fotos: Ralf Kreuels

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