Original Craftsmen: Blenheim Forge liefert messerscharfe Handarbeit.

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4:24

Anfangs war es eine Spinnerei, nun ist es ihr Beruf und ihre Firma: Die Freunde von Blenheim Forge schmieden im Damaszener Stil scharfe und überaus beständige Messer – von London für die ganze Welt.

Erst Hobby und Leidenschaft und nun Berufung.

Ein schrilles Rattern durchdringt die schmale Straße am Blenheim Grove, die von Backsteinhäusern umrahmt ist. Es stammt von der Bahn, die gerade auf den Gleisen der nahegelegenen Peckham Rye Rail Station ganz langsam zum Stehen kommt. Hier in Peckham, einem Stadtteil im Süden von London, haben Jon Warshawsky, James Ross-Harris und Richard Warner ihre eigene kleine Messerschmiede aufgebaut. Wer sich die Werkstatt von innen anschauen will, muss zunächst einmal durch ein ebenso eindrucksvolles wie schweres Eisentor. Dahinter warten hohe Wände, allerhand Werkzeuge und natürlich Holzschränke voller hochwertiger Messer. Was treibt drei junge Engländer ausgerechnet dazu, Messer selbst herzustellen? „Eigentlich war es Zufall“, gesteht James. Jon und er hätten damals mehr zum Spaß ein bisschen herumexperimentiert. „Wir wollten das einfach mal versuchen, also Messer selbst zu machen“, erklärt James, wohlwissend, wie naiv seine Worte zunächst klingen mögen. Doch die Briten blieben dran, aus einer Spinnerei wurde ein Hobby, aus dem Hobby eine Leidenschaft – und aus der Leidenschaft schließlich ihre Profession. „Und jetzt, ein paar Jahre später, sitzen wir hier und machen das in Vollzeit.“

Ein Wegweiserschild mit der Aufschrift „Blenheim Forge“

Keine Irrwege: Bei Blenheim Forge findet jeder, was er sucht.

Scheitern gehört zum Erfolg.

Nachdem er am Goldsmiths College für bildende Kunst in London seinen Abschluss gemacht hatte, konzentrierte sich James zunächst auf maßgeschneiderte Möbel – doch zufrieden war er mit seiner Arbeit nicht. Gemeinsam mit seinem Mitbewohner Jon wagte er dann das große Experiment: Mithilfe von YouTube-Videos stellten die damaligen Hobbyhandwerker ihr erstes Messer her – und mussten schnell feststellen, dass der anfängliche Erfolg wohl eher dem Glück als dem Können geschuldet war. Fortan verbrachten sie jedes Wochenende damit, das geglückte erste Messer nachzubilden, meist eher schlecht als recht. Dann kam Richard dazu, der vorher als Bergarbeiter in Australien gearbeitet hatte: Das Trio war komplett – und es ging voran.

Einige Messer stehen in einem Regal

Inzwischen fertigen die drei Londoner eine Vielzahl an unterschiedlichen Messertypen.

Besondere Technik für besondere Produkte.

Was die drei jedoch noch brauchten: eine Werkstatt. Diese fanden sie schließlich im besagten Peckham – der Grundstein war gelegt. Die nächste Hürde wartete jedoch bereits. „Als wir hier eingezogen sind, hatten wir nur sehr rudimentäres Werkzeug“, erzählt James. „In den ersten beiden Jahren nach der Gründung von Blenheim Forge investierten wir das ganze Geld, das wir verdienten, daher wieder in neue Arbeitsmittel.“ Er weiß: „Ohne die richtige Ausstattung kann man einfach keine guten Messer machen.“ Seitdem haben die drei ihre Fertigkeiten stetig verbessert, sich von reinen Handwerkern zu Künstlern entwickelt und sich einen Namen gemacht – in einer der wohl härtesten Disziplinen, die die Stahlbearbeitung zu bieten hat: der Produktion von hochwertigen Küchenmessern im Damaszener Stil.

Was ist der Damaszener Stil?

Inspiriert vom japanischen Design, glänzen Blenheim Forges Messer in prachtvollem Silber, tiefem Grau und schillerndem Kupfer. Doch der Schein trügt – denn sie können weitaus mehr als nur gut auszusehen:

Der Begriff Damaszener Stahl – oder auch Damast – geht auf die Stadt Damaskus zurück. Diese war im 12. Jahrhundert ein wichtiger Platz für den Warenhandel mit Waffen. Der Werkstoff an sich bezeichnet den Verbund einer oder mehrerer Stahlsorten. Um einen besonders schönen Effekt zu erzielen, können bis zu 400 Schichten zusammengeschweißt werden. Wird das Material dann poliert oder geätzt, zeigt sich die Struktur der verschiedenen Lagen.

Der Legende nach sind Schwerter aus Damaszener Stahl unzerbrechlich, atemberaubend schön – und vor allem machen sie ihren Besitzer im Kampf unbesiegbar. Schärfer und härter als alle anderen Stahlsorten der Welt sei der Werkstoff – und Blenheim Forges Messer bestätigen das.

Ein Mann schmiedet an einer Maschine

James und seine beiden Freunde arbeiten hart für ihr Kleinunternehmen.

Funken sprühen aus einem Stück Stahl, das ein Mann bearbeitet

Nichts für schwache Nerven: Bei der Arbeit mit Stahl ist Vorsicht geboten.

Ein Mann holt ein heißes Eisen aus einem Ofen

Eine schweißtreibende Arbeit, Tag für Tag: Schwarze Hände gehören in einer Schmiede zum Alltag.

Auch für Messer gilt: Qualität statt Quantität.

Hitze, Schmutz und ätzende Flüssigkeiten sind allgegenwärtige Begleiter der drei Handwerker. Schnell ist ihnen klargeworden: Dieser Beruf ist nichts für sanfte Gemüter. Von maschineller Arbeit wollen die drei Londoner trotzdem nichts wissen. Sie haben sich der traditionellen Messerherstellung verschrieben. „Es gibt viele Rückschläge“, gibt James zu. „Aber wir haben einen Produktionsprozess entwickelt, der ziemlich gut funktioniert.“ Auf ein sehr gutes Messer, so sagt er, folge mindestens eines, das den Ansprüchen nicht genüge und daher aussortiert werden müsse. Aufgeben war allerdings noch nie eine Option für die drei Freunde und deshalb sind sie ihrer Idee treu geblieben. Nach wie vor erfolgt die komplette Produktion in Handarbeit. Jedes Stück ist ein Unikat – zur Freude der Kunden. „Als wir anfingen, wussten wir nicht, dass es überhaupt einen Markt für unsere Produkte gibt. Wir dachten nur, dass den Menschen vielleicht ein tolles Messer gefallen würde“, erzählt James. „Mittlerweile versenden wir sie in die ganze Welt: an Köche, Hobbyköche oder Sammler.“

Gut Ding will Weile haben.

Traditionelle Produktionsmethoden, ausgewählte Materialien und echte Handarbeit machen die Messer der drei Londoner weltweit beliebt: Die Wartezeit nach einer Bestellung liegt derzeit bei circa drei Wochen. Für die Herstellung eines Messers planen sie 30 Zeitstunden ein – bei einer wöchentlichen Produktion von 20 bis 30 Stück. Um trotz des großen Pensums eine optimale Qualität sichern zu können, haben die drei eine Methode entwickelt, ihre ganz eigene Qualitätssicherung, wenn man so will. „Wir versuchen, uns die Arbeit so aufzuteilen, dass niemand einen bestimmten Vorgang zu lange machen muss“, berichtet James. Und das lohnt sich. Denn einer Sache sind sich die drei selbst geschulten Messerschmiede sicher: „Ein handgefertigtes Messer von Blenheim Forge hält bei guter Pflege ein Leben lang.“

Zwei Männer arbeiten an einer Maschine

James (rechts) zeigt, wie’s geht: Gemeinsam mit Nick (links) fertigt er ein Messer aus der Blattfeder eines alten Mercedes-Benz Vans.

Ein Mann hält ein Stück Eisen in der Hand

Die grobe Form des Messers kommt nach und nach zum Vorschein.

Ein Messer von Blenheim Forge spiegelt das Licht wider

Die Messer der Firma Blenheim Forge werden im Damaszener Stil handgefertigt. Die schöne Struktur der Stahlschichten kommt durch Politur oder Ätzung zum Vorschein.

In einer Vitrine stehen einige Messer

In einer Vitrine werden die fertigen Messer schließlich aufbewahrt.

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