Original Craftsmen: Garvan de Bruir und die Leidenschaft für Leder.

Garvan de Bruir ist Kunsthandwerker mit Leib und Seele. Seine Leidenschaft führt den Iren stets auf neue Wege: von Holzmöbeln bis hin zu Ledertaschen.

Holz war Garvans erste Liebe.

Präzise führt Garvan de Bruir das Schleifpapier über das Leder, das vor ihm auf einer Werkbank liegt. Sein Blick fokussiert, seine Handbewegungen routiniert. Vor und zurück, hin und her, immer wieder führt er das raue Papier über das robuste, dunkelbraune Leder, das sich bald schon als elegante Tasche entpuppen wird. Fast schon zu einfach sieht das bei dem Iren aus. Zurück bleibt eine weiche Rundung, die darauf wartet, versiegelt zu werden.

Wir befinden uns in Kildare, einer Kleinstadt unweit von der irischen Hauptstadt Dublin. Hier hat der gelernte Möbeldesigner und Handwerkskünstler sein eigenes kleines Kreativstudio eingerichtet – und es natürlich komplett in Eigenregie ausgebaut. Holz sei seine erste große Liebe gewesen, erzählt Garvan und lacht. Doch nach und nach kam eine andere Leidenschaft dazu: das Lederhandwerk. „Leder hat in Kildare eine jahrhundertelange Tradition“, berichtet der Ire. Und so wundert es kaum, dass auch dieser Werkstoff schon früh Garvans Interesse weckte.

Kildare – „Stadt der irischen Pferde“

Kleine Stadt, großer Einfluss: Mit rund 7.500 Einwohnern zählt Kildare zwar nicht zu den größten Städten Irlands, dafür aber zu den bedeutendsten – insbesondere im Bereich der Kavallerie. Seit Ende des 19. Jahrhunderts befindet sich in Kildare zudem das staatliche Pferdegestüt „Irish National Stud“. Auch deshalb wird die Stadt im Osten Irlands „Stadt der irischen Pferde“ genannt. Hier spielen Leder und Lederhandwerk traditionell eine wichtige Rolle. Doch auch im Einzugsgebiet der Kleinstadt, dem Kildare County – auch als „Grafschaft der Vollblüter“ bekannt –, fand der Werkstoff großen Absatz in der Reitindustrie.

Holz und Leder: zwei Werkstoffe, ein Gedanke.

Garvans Freude an Innovation und Optimierung seiner Arbeit führte ihn schließlich etwas weg vom Holz und näher zum in seiner Heimatstadt traditionellen Werkstoff – dem Leder. Zunächst integrierte er das Material in seine Möbelkollektion, später fertigte er verschiedene Taschen, technische Accessoires oder sogar modische Jacken an. „Ich arbeite ähnlich wie ein Sattelmacher“, betont er. Was er damit meint: „Im Sinne von eher strukturiertem Handwerk und der Herstellung wirklich einfacher, funktionaler Gebrauchsgegenstände. Ich liebe nun mal die Vorstellung, Dinge aus natürlichen Materialien herzustellen. Es geht um die Machart: Meine Objekte halten eine Menge aus und sind belastbar. Das ist meine Grundidee.“ Und so strahlen seine Produkte eine Mischung aus Nostalgie, nüchterner Klarheit, grenzenloser Eleganz, aber auch verlässlicher Funktionalität und Qualität aus.

Ein Mann näht Lederstücke zusammen

Garvan De Bruir verleiht der Ledertasche ihre Form nach einem bestimmten Schnittmuster.

Ein Mann schleift ein Stück Leder

Mit speziellem Werkzeug verleiht der Ire seinen Taschen den letzten Schliff.

Ein Mann an einer alten Nähmaschine, vor ihm liegt ein Stück Leder

100 Prozent Präzision: Konzentriert arbeitet Garvan De Bruir an den Nähten einer Ledertasche.

Eine Hand umfasst eine Ledertasche

Bei der Fertigung einer Ledertasche ist eine feste und geübte Hand nötig.

Jedes Produkt ist ein Unikat.

Dabei gleicht kein Werkstück dem anderen: Mit Liebe zum Detail wählt Garvan eine bestimmte Lederart aus, schneidet die verschiedenen Komponenten zu und verleiht seinem Herzensprojekt am Ende den letzten Schliff. „Die Arbeit mit Leder habe ich mir gewissermaßen selbst beigebracht“, berichtet der Ire. „Ich habe einige Fähigkeiten entwickelt und eine eigene Art, manche Werkzeuge zu benutzen. Das hat zu neuen Wegen geführt, wie ich Dinge mache. Aber ich denke, ich habe mit einigen Arbeitsschritten experimentiert, die sehr interessant sind.“ Bei seinen Werken baut er natürliche Charakteristika des Leders mit ins Endprodukt ein. Immer wieder Neues auszuprobieren, ist ihm besonders wichtig. Rückschläge nimmt er dabei gerne in Kauf: „Misserfolge sind Teil des Prozesses.“

  • Kleine Lederbehälter stehen in einem Regal
  • Zwei Männer stehen hinter einer Ledertasche
  • Zwei Männer arbeiten auf einer Werkbank mit Leder
  • Ein Mann behandelt ein Stück Leder

Material für die Ewigkeit.

Gegerbte Tierhäute zählen zu den ältesten Werkstoffen der Welt. „Leder ist natürlich, nachhaltig und hat alle Eigenschaften, die wir für unsere Produkte benötigen“, schwärmt Garvan. „Es ist immer noch sehr zeitgemäß und ist sehr gut zu verarbeiten.“ Produkte aus Leder seien zwar nicht unbedingt dekorativ oder dafür geeignet, sie sich ins Regal zu stellen – dafür aber unglaublich praktisch und funktionell. „Wenn man etwas sucht, für das man in Erinnerung behalten wird, ist ein Geschenk aus Leder genau richtig“, schmunzelt der irische Kunsthandwerker. „Das Präsent wird noch lange Zeit danach zu gebrauchen sein.“

Zwei Männer stehen in einer Werkstatt

Ganz schön kompliziert: Damit Nick einen Überblick erhält, erklärt Garvan ihm sein vielfältiges Werkzeug.

Einige Ledertaschen stehen auf einem Regal

Garvan De Bruirs Taschenkollektion ist die Verbindung aus Tradition und Moderne.

In einem kleinen Raum mit Bogendach stehen Regale mit Ledertaschen

In seinem selbst gebauten Showroom, der direkt neben der Werkstatt steht, zeigt Garvan De Bruir seine Werke.

In Schlaufen aus Leder hängen Werkzeuge an einer Wand

Alles hat seinen Platz: Zur Aufbewahrung seiner Werkzeuge entwickelte Garvan De Bruir Schlaufen aus Leder.

Ein Mann steht auf einer Wiese vor einem Vito

Mit dem Vito durch die Welt: Nick Karry besucht auf seiner Reise Handwerker, die traditionelle Fertigungstechniken am Leben erhalten.

Photos: Nadine Laux, Matthias Sastedt

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