Original Craftsmen: TedWood – aus ganz eigenem Holz geschnitzt.

Ted Jefferis entwirft und schreinert prämierte Designermöbel. Der Engländer greift dabei auf traditionelle Handwerkskunst zurück. 2013 hat er das Unternehmen TedWood gegründet.

Der junge Mann und das Holz.

Die alte Scheune, deren großes Holztor Ted Jefferis mit etwas Mühe aufstößt, steht inmitten eines dichten Mischwaldes. Nebenan liegt ein See, der zu diesem Anwesen im südenglischen Bosham gehört. Laub färbt den Boden in herbstlichen Rot- und Gelbtönen ein. Ted hat ein sperriges Holzbrett unter den linken Oberarm geklemmt, hinter seinem Ohr schaut ein Bleistift hervor. „Früher hat mein Vater in dieser Werkstatt Boote gebaut“, erzählt der junge Engländer, während er das Brett behutsam neben die Säge stellt, die sicher auch schon bessere Tage gesehen hat. „Ich bin schon damals immer gerne mit ihm hierhergekommen und habe es schon als Junge geliebt, mit meinen Händen zu arbeiten“, sagt Ted. Er stützt sich an einer Werkbank ab, deren silberne Arbeitsfläche von Holzspänen übersät ist.

Eine Schreinerei von innen mit vielen Werkzeugen

Im Inneren von Teds Werkstatt paaren sich Hightech und Oldschool.

Möbel als eine Form von Architektur.

Ted Jefferis ist Schreiner, Designer und Architekt. Unter dem Label TedWood konzipiert und fertigt der junge Brite seit 2013 Designer-Möbelstücke – traditionell mit Hobel, Stechbeitel und Säge, alle von Hand, jedes Stück ist ein Unikat. Während seiner Schreinerausbildung und seines Architekturstudiums an der Oxford Brookes University beschäftigte ihn die Idee, Möbel als eine Art Architektur im kleineren Maßstab zu denken. Das Konzept hat ihn bis heute nicht losgelassen. „Unterbewusst interagieren wir die ganze Zeit mit Gebäuden, Fassaden und Räumen“, erklärt er. „Wir erkennen Formen und unser Gehirn reagiert darauf. Ich glaube, das gilt in besonderem Maße auch für Möbel.“ Wenn man sich dem Holzhandwerk aus diesem Blickwinkel nähert, wird aus einem reinen Handwerk plötzlich Design, Architektur – und eben auch Kunst.

Zwei Männer in einer Holzwerkstatt, einer bearbeitet ein Möbelstück

2013 hat Ted Jefferis das Unternehmen TedWood gegründet. Der junge Brite (rechts) entwirft und schreinert Designermöbel.

Holzwerkstatt in vierter Generation.

Als er nach seinem Studium zurück nach Chichester in der Grafschaft West Sussex kam, einer 26.000-Einwohner-Kleinstadt im Süden Englands, hatte die alte Familienwerkstatt bereits leer gestanden. „Ich beschloss, diesen alten Räumen neues Leben einzuhauchen“, sagt Ted – und erzählt: „Die Werkstatt hat mein Urgroßvater nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet. Er hat hier von Hand Holzboote gebaut. Ich komme aus einer Familie von Holzarbeitern.“ Heute entstehen in dieser Werkstatt mehrfach prämierte Designerstücke, ausschließlich aus britischem Hartholz. Bei der Auswahl seiner Materialien ist Ted nämlich wählerisch und ja, gewissermaßen auch patriotisch. „Ich glaube, dass wir in England mit das beste Möbelholz haben, wahrscheinlich besser als die tropischen Holzarten.“

Die Natur inspiriert mich und Holz ist mein liebster Werkstoff. Alles, was ich mache, beginnt mit einem Stück Holz – und meinen Händen.

Ein Mann bearbeitet in einer Werkstatt ein Holzstück

Keines ist wie das andere: Jedes Möbelstück, das Ted Jefferis entwirft, ist ein Unikat und das Ergebnis von präziser Handarbeit.

Ted Jefferis „liest“ Holz wie ein Buch.

Der Künstler liebt die Einsamkeit und Stille, die er hier draußen findet. Dem Trubel und einigen Rufen aus London hat er bisher widerstanden. „Ich war schon immer von Holz und Bäumen umgeben“, sagt Ted. „Ich bin in einem Holzhaus aufgewachsen, das mitten im Wald steht. Ich brauche das.“ Nun muss er selbst lachen. „Im Ernst, die Natur inspiriert mich und Holz ist mein liebster Werkstoff. Alles, was ich mache, beginnt mit einem Stück Holz – und meinen Händen.“ Bedächtig streicht Ted nun über das Brett, das er aus der nahe gelegenen Lagerhalle mitgebracht hat. Der Zeigefinger berührt es, die Augen scannen es. Wie Buchstaben scheint er dessen Muster zu lesen. „Der wichtigste Teil ist, sich das Holz genau anzuschauen, es anzufassen – ich meine, es wirklich genau zu studieren“, sagt Ted.

Neue Formen mit traditionellem Charme.

„Jedes Stück Holz ist einzigartig und es ist meine Aufgabe, seine Einzigartigkeit hervorzuheben.“ Das könne das Muster sein, die Form, die Farbe, vielleicht sogar eine kleine Macke, die das glatte Brett mitbekommen hat, so der Engländer. Er nimmt eine Bleistiftzeichnung vom Schreibtisch, zeigt auf ein fast fertiges Tischchen und nickt. Was er meint: Jedes seiner Möbelstücke entsteht erst im Geist, dann auf dem Papier und schließlich mit den Händen. Teds exquisite Möbel weisen ungewöhnliche Formen auf, sie wirken modern – und doch umhüllt sie ein traditioneller Charme. „Mir ist es wichtig, das Erbe unserer Vorfahren zu würdigen. Ich muss nicht das Rad neu erfinden“, meint der Gründer von TedWood. „Daher benutze ich zwar althergebrachte Techniken, aber versuche, sie auf moderne Weise zu interpretieren.“

Zwei Männer an einer Säge, der eine bearbeitet ein Holzbrett, der andere schaut zu

Zuschnitt an der Säge: Ted Jefferis’ Möbel weisen oft ungewöhnliche Formen auf.

Möbel, die Generationen überdauern sollen.

Man müsse mit dem Werkstück eine Symbiose eingehen, ist sich der Brite sicher. „Das gelingt einem nicht, wenn man für die Herstellung Tausende Maschinen benutzt.“ Teds Anliegen ist es, mit seinen hochwertigen Möbelstücken eine Verbindung aus Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit zu schaffen. Er wolle ein Gegengewicht zur unsteten und bisweilen entarteten Wegwerfkultur unserer Gesellschaft bilden. Seine Vision: Die Möbel sollen Dauerhaftigkeit verkörpern. Sie sollen schön, aber vor allem auch nützlich sein. Und sie sollen Generationen überdauern. Ganz so wie Teds Werkstatt – da draußen im ruhigen Bosham.

Ein Mann führt einen Bleistift entlang eines Holzmusters

Da muss alles passen: Ted Jefferis plant jedes Möbelstück sehr detailliert, zunächst auf dem Papier, erst dann in Holz.

Zwei Werkstücke und mehrere Hobel liegen auf einem Holztisch

Ted Jefferis ist der festen Überzeugung, dass man das Holz zunächst studieren sollte, ehe man es bearbeitet.

Photos: Nadine Laux

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