Die Zukunft der Mobilität (1/2) – individuelle Fortbewegung in der Stadt.

Ein Autobahnkreuz in Shanghai aus der Vogelperspektive

MYVAN-Moderator Christopher Wallenreiter ist nach Köln gereist, um zu erfahren, wie man der Verkehrsüberlastung in Großstädten in Zukunft entgegenwirken könnte.

Durch die Stadt mit sechs Kilometern pro Stunde.

Lärm, Stress und Luftverschmutzung – mit diesen Schlagworten kann längst der Großteil aller Städte der Welt in Verbindung gebracht werden. Denn eines haben sie alle gemeinsam: das Problem der Verkehrsüberlastung. So bewegt sich in Mexico-City ein Pkw mit durchschnittlich sechs Kilometern pro Stunde voran. Fortschritt sieht anders aus, sollte man meinen. Bei all dem fragt man sich: Wie kann die individuelle Fortbewegung in den Großstädten künftig noch funktionieren? Wie verändert sich die dortige Lebensqualität? Und welche Rolle werden autonome Transportmittel spielen? MYVAN-Moderator Christopher Wallenreiter ist nach Köln zur The Future of Transportation World Conference gereist, um Antworten auf diese Fragen zu finden. Im Interview mit vier Mobilitätsexperten aus Wissenschaft und Praxis versucht Christopher der Zukunft der Mobilität auf den Grund zu gehen.

Rolltreppen im Konferenzgebäude der Messe Köln

In Zeiten von schneller werdenden Prozessen ist es umso wichtiger, das eigene Handeln kritisch zu hinterfragen.

Portraitfoto von Ralf Frisch

Ralf Frisch von der PTV Group.

Maßgeschneiderte Mobilität als Service.

Längst ist Carsharing kein Fremdwort mehr und findet über Anbieter wie zum Beispiel car2go seit einiger Zeit Anwendung in den Innenstädten. Aus Expertensicht ist die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen eine der wichtigen Schlüsselideen, um Mobilität in Zukunft noch effizienter dort verfügbar zu machen, wo sie individuell benötigt wird. Das Schlagwort hierzu lautet „Mobility as a Service“ oder kurz „MaaS“.

Ralf Frisch ist Solution Director für MaaS bei der PTV Group in Karlsruhe. „Bei MaaS geht es darum, eine clevere Kombination aus verschiedenen Arten von Transportsystemen zu schaffen“, erklärt er Christopher. In der praktischen Umsetzung könnte das etwa so aussehen, dass man als Nutzer fortan nur noch ein Ticket für sämtliche Verkehrsmittel vom Leihfahrrad über Carsharing bis hin zur S-Bahn besitzt. Datenbasierte Planungssoftware, wie die der PTV Group, kann hierbei wiederum die schnellste Route für einen berechnen.

Eine Lösung liegt oft näher als gedacht.

Daten und Vernetzung sind also die halbe Miete. Auf der anderen Seite braucht es Innovationen, die sich beides effizient zunutze machen. So schafften es beispielsweise Uber und Lyft, den Mobilitätsmarkt innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf zu stellen, indem sie die bereits vorhandene Technologie der Smartphones geschickt mit einer Reihe von Fahrdienstleistern in den Großstädten verknüpften. Weitere erfolgreiche Beispiele für On-Demand-Mobilitätsservices sind ViaVan und moovel. Durch den Transport von Personen mit ähnlichen Reisezielen wird dieser Transport nicht nur flexibler, sondern auch günstiger.

Eine Frau mit Smartphone in der Hand steht vor einem Mercedes-Benz Transporter mit ViaVan-Aufschrift

Mit ViaVan kommt man schnell und günstig ans Ziel.

Autonome Fahrzeuge könnten die Verkehrslage verbessern.

Die meisten Diskussionen über die Zukunft der Mobilität ranken sich dennoch um das autonome Fahren, das nun seit kurzem zugelassen ist. Auch hier kann man die Frage stellen, inwiefern selbstfahrende Autos einen Mehrwert bei verstopften Straßen bieten. Denn fliegen wie der „Volocopter“ können sie schließlich noch nicht. „Das Problem besteht nicht nur in einem Zuviel an Fahrzeugen, sondern auch darin, wie ineffizient wir diese nutzen“, beginnt Frisch zu erklären. „Wenn man morgens zur Arbeit fährt und sein Auto bis zum Feierabend vor dem Büro parkt, bringt es einem in dieser Zeit keinen echten Mehrwert.“ Durch Sharing-Systeme könnte ein autonomes, vernetztes Fahrzeug stattdessen in der Zwischenzeit zu anderen Passagieren fahren, um diese zu befördern.

Das Problem besteht nicht nur in einem Zuviel an Fahrzeugen, sondern auch darin, wie ineffizient wir diese nutzen.

Sharing is Caring – auch im Straßenverkehr.

Auch sieht man im Berufsverkehr häufig, dass Personen mit großen Fahrzeugen alleine zur Arbeit fahren. Wo bleibt da die Nachhaltigkeit? „Würde die breite Masse einen gemeinsamen Pool aus autonomen, miteinander kommunizierenden Fahrzeugen nutzen, so könnte man die Gesamtanzahl an Fahrzeugen auf ein handlebares Minimum reduzieren“, fasst Frisch zusammen. Im Umkehrschluss würde dies aber auch die Bereitschaft voraussetzen, den eigenen Pkw in der Garage stehen zu lassen.

Drei smart mit car2go-Logo auf der Motorhaube

Das Carsharing-Angebot car2go liefert schon heute den richtigen Ansatz.

Portraitfoto von Prof. Dr. Jelte Bos from TNO

Prof. Dr. Jelte Bos von TNO.

Auch ein Autopilot muss mit Gefühl fahren.

Prof. Dr. Jelte Bos von der Forschungsorganisation TNO aus den Niederlanden betrachtet das autonome Fahren noch einmal aus einem anderen Blickwinkel. „Mobilität allgemein wird heutzutage als Lebensgenuss vermarktet“, erklärt er Christopher. Demnach dürfe auch der Fahrkomfort in einem selbstfahrenden Auto dem in einem herkömmlichen Pkw in nichts nachstehen. Gemeint ist damit vor allem die Vermeidung von Reisekrankheit, worauf sich der Professor spezialisiert hat.

Tatsächlich ist Reiseübelkeit, ob man nun auf See, im Flugzeug oder im Auto unterwegs ist, ein weit verbreitetes Phänomen in der Gesellschaft. Sitzt man selbst am Steuer, ist man jedoch meistens nicht davon betroffen. Umso wichtiger erscheint daher die Frage: Wie kann der Reiseübelkeit in fahrerlosen Autos entgegengewirkt werden? „Vor allem muss ein autonomer Fahrpilot wohldosiert bremsen und beschleunigen können“, so der Forscher.

Nachhaltige Mobilität liegt in jedermanns Verantwortung.

Statt nur auf die stetig wachsenden Mobilitätsmöglichkeiten zu blicken und diese voll auszukosten, rät Prof. Dr. Jelte Bos jedoch, sich vor jeder Fahrt noch einmal zu fragen: Ist es wirklich nötig, an Ort XY zu reisen? Reicht nicht auch Skype? Gibt es vielleicht eine Alternative zu XY, die näher liegt? Denn andernfalls wird unser Verkehrssystem – und da sind sich die Experten wohl einig – in wenigen Jahren kollabieren.

Der Volocopter steht in einem Ausstellungsraum

Auch der sogenannte Volocopter durfte auf dieser Konferenz nicht fehlen.

Eine Hand an einem Mercedes-Benz Lenkrad

Alleine Auto zu fahren, ist nicht nachhaltig.

Photos: Dennis Blass; Netherlands Organisation for Applied Sciences; PTV Group; Denys Nevozhai; epicantus

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