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L 319 – erst Pionier, dann Legende.

Drei Mercedes Benz L 319 in einer Reihe

Mitte der 1950er in Frankfurt vorgestellt, war der L 319 von Mercedes-Benz ein Pionier in seiner Fahrzeugklasse und zudem der erste offizielle „Transporter“ mit dem Stern.

Schwaben erkennen Marktlücke.

Schnell und wendig wie ein Pkw und dabei so robust, zuverlässig und leistungsstark wie ein kleiner Lkw – ein solches Fahrzeug plante die Daimler-Benz AG Anfang der 1950er-Jahre. Der Grund lag auf der Hand: Die Schwaben, die in der Lkw- und Pkw-Sparte schon damals sehr gut aufgestellt waren, wollten die komplette Palette an gewerblichen Nutzfahrzeugen abdecken. Mit dem Produktionsstopp des L 1100 im Jahr 1941 war hier im Portfolio eine Lücke entstanden. Um sie zu schließen, brauchte es ein Nutzfahrzeug-Modell im leichteren Gewichtssegment. Kein anderer Hersteller verfolgte zu diesem Zeitpunkt eine ähnliche Strategie, viele sollten es den Pionieren aus Süddeutschland aber später nachmachen.

Mercedes-Benz L 319 auf den Kanarischen Inseln, 1960

Auch auf den Kanarischen Inseln war der Mercedes-Benz L 319 ein treuer Helfer. Das Foto stammt aus dem Jahr 1960.

Der L 319 – ein Pionier auf der IAA, eine Legende bis heute.

Doch der Reihe nach: Kleinere Nutzfahrzeuge für den gewerblichen Einsatz mit bis zu 1,5 Tonnen Nutzlast hatten insbesondere deutsche Mitbewerber in den 1950ern schon im Angebot. Deren Bauweise erinnerte allerdings noch sehr an klassische Pkw – und so verhielten sie sich im Einsatz im Zweifel auch. Zwischen diesen kleineren Nutzfahrzeugen für die gewerbliche Anwendung und dem klassischen Lastwagen war auf dem Markt derweil eine Nische entstanden, die Daimler-Benz ab Mitte der 1950er-Jahre exklusiv besetzte. Und zwar mit dem Mercedes-Benz L 319. Diesen stellte das Unternehmen mitten im „deutschen Wirtschaftswunder“, genauer im Jahr 1955, auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) vor – somit war ein Pionier geboren, der zuerst zur Ikone des wirtschaftlichen Aufschwungs und später zur Transporter-Legende werden sollte. Erfahrt mehr über die Erfolgsgeschichte des Mercedes-Benz L 319.

Ein Schwarz-Weiß-Bild von einem Mercedes-Benz L 319

Die Transporterlegende L 319 „made in Düsseldorf“.

Der erste Transporter von Mercedes-Benz.

Dass die Schwaben mit dem L 319 den ersten – auch als solchen bezeichneten – „Transporter“ mit dem Stern konstruiert hatten, war den Entwicklern des deutschen Autobauers anfangs nicht bewusst gewesen. Das „L“ im Modellnamen stand nämlich für „Lastwagen“ und als der Mercedes-Benz L 319 in Frankfurt seinen großen Auftritt hatte, sprach Daimler-Benz noch von einem „Schnell-Lastwagen“, schrieb dem Urahnen von Sprinter, Vito oder Citan allerdings gleichzeitig exakt jene Merkmale zu, die eben einen Transporter charakterisieren. Doch erst, als der L 319 ab 1956 in die Serienfertigung ging, nannte man ihn dann auch so: Transporter.

Zwei L 319 von Mercedes-Benz parken vor einer Lagerhalle, zwei Männer laden Kartoffelsäcke auf

Insbesondere im Handel, im Handwerk und als klassischer Kleintransporter wurde der L 319 geschätzt.

Großer Zuspruch in Handel, Gewerbe und Handwerk.

Mit seinen kompakten Abmessungen und einem Gesamtgewicht von 3,6 bis 3,9 Tonnen fand der L 319 direkt großen Zuspruch. Die Produktion endete 1968; schon fünf Jahre zuvor hatte mit dem L 407 der designierte Nachfolger das Licht der Welt erblickt. Bis dahin waren über 100.000 Exemplare des L 319 vom Band gelaufen, zunächst in Stuttgart-Untertürkheim und Mannheim, später in Düsseldorf. Woher aber rührte der Erfolg dieser Mercedes-Benz Legende? Ganz einfach: Mit 1,85 Tonnen stemmte der erste Transporter mit dem Stern deutlich mehr Nutzlast als die vergleichbaren Fahrzeuge der Konkurrenz und bot mehr Stauraum, ließ sich aber gleichzeitig fast so leicht manövrieren wie ein Pkw – das ideale Fahrzeug für Handel, Gewerbe und Handwerk also. Zunächst als Kasten-, Pritschen- und Tiefpritschenwagen produziert, legte Daimler-Benz kurz darauf mit dem O 319 die Omnibus-Variante mit bis zu 18 Sitzplätzen nach.

Ein Omnibus O 319 fährt auf einer Landstraße, im Hintergrund ist eine Wiese

Auch als Reisebus war die 319-Serie von Mercedes-Benz erhältlich. Dieser trug den Namen O 319 – für Omnibus 319.

Ein Dorf steht für seinen Feuerwehr-Oldtimer ein.

Doch nicht nur für den gewerblichen Gebrauch, als Lieferwagen oder als Personentransporter war der L 319 ein beliebtes Fahrzeug – auch als Feuerwehrwagen kam das Modell unter der Bezeichnung Löschgruppenfahrzeug LF 8 zum Einsatz. In Ilvesheim in Baden-Württemberg baute die Feuerwehr der 9.000-Einwohner-Gemeinde nahe Mannheim viele Jahre auf ihren Klassiker in Rot. 1962 hatte die Ilvesheimer Feuerwehr den LF 8, begleitet von einem feierlichen Spielmannszug, angeschafft und ihn jahrelang als zuverlässiges Arbeitstier geschätzt. Schließlich aber sollte der Wagen ausrangiert werden. In einer einmaligen „Rettungsaktion“ setzten sich die Feuerwehrkameraden daraufhin für die Restaurierung und den Erhalt ihres treuen Gefährts ein.

Club der 319er.

Ohnehin ist klar: Hinter jedem heute noch funktionstüchtigen L 319 steckt ein Besitzer, der sich mit einer Leidenschaft für Oldtimer sowie mit handwerklichem Geschick, viel Geduld und noch mehr Herzblut um sein Fahrzeug kümmert. Einige dieser Besitzer treffen sich zweimal im Jahr an Orten in ganz Deutschland, um gemeinsam zu essen, beim Lagerfeuer zusammenzusitzen und natürlich, um über ihre Schmuckstücke fachzusimpeln. Den offiziellen „319er-Club“ gibt es seit Ende 1997. Ob Möbeltransporter, Getränkewagen oder Familienbus – auf den Clubtreffen findet man den schmucken Vintage-Van in jeglicher Ausführung. Und jeder Besitzer hat natürlich seine ureigene Geschichte zu seinem L 319 zu erzählen.

TV-Moderatorin Lina van de Mars auf Mission in Luxemburg.

Einem ehrgeizigen Projekt haben sich auch der Moderator Neil O’Sullivan und die Kfz-Mechanikerin, Oldtimer-Liebhaberin und TV-Moderatorin Lina van de Mars gestellt. In Luxemburg machte sich das Duo auf die Suche nach einem alten L 319. Ihre Mission: dem verstaubten Transporter neues Leben einzuhauchen. Ist ihnen dies gelungen? Schaut selbst!

Einige L 319 von Mercedes-Benz parken in einer Reihe nebeneinander

Einer schöner als der andere: Wenn sich die Mitglieder vom 319er-Club zweimal im Jahr treffen, kommen die Oldtimer-Liebhaber voll auf ihre Kosten.

Ein restaurierter L 319 als Servicefahrzeug.

Vom einen Autohaus ins andere, von Böblingen nach Münchberg. Diese Stadt in Oberfranken nennt das Autohaus August Hahn sein Zuhause. Das Besondere: Es ist einer der 25 Mercedes-Benz ClassicPartner in Deutschland und hat sich auf die Restaurierung von Oldtimern spezialisiert. Natürlich gehört zum Repertoire der Münchberger Oldtimer-Liebhaber auch ein L 319 – Farbe blau, Baujahr 1959. Diesen jedoch haben sich die Betreiber nicht etwa zur bloßen Zierde ins Autohaus gestellt – im Gegenteil: Für den Transport von Ersatzteilen und als Lieferwagen oder Servicefahrzeug ist der L 319 noch immer im Einsatz.

Einzigartig und selten: das „Blaue Wunder“ der Familie Hagenlocher.

Wer durch das Autohaus Hagenlocher in Böblingen nahe Stuttgart flaniert, bekommt neben aktuellen Mercedes-Benz Modellen auch zahlreiche Oldtimer zu sehen – und diese stehen den neuen Fahrzeugen in puncto Aussehen in nichts nach. Klar, denn die Besitzer des Autohauses, Klaus und sein Vater Kurt Hagenlocher, teilen eine Leidenschaft: die für Oldtimer von Mercedes-Benz. Ein absolut einzigartiges Exemplar ist ihr L 319 Transportwagen. Dieser wurde als das „Blaue Wunder“ weltberühmt.

Der Mercedes-Benz L 319 der Familie Hagenlocher, genannt das „Blaue Wunder“

Das „Blaue Wunder“ – so wurde dieser L 319 einst genannt. Auf dem Sondermodell von Mercedes-Benz wurden Rennwagen transportiert.

Vom verstaubten Stern zur Espresso-Bar mit Klasse.

Verstaubt, ungenutzt, ausrangiert – so fand Uwe Ziegler seinen L 319 in einer dunklen Ecke der Autowerkstatt eines Bekannten. Für den Kfz-Mechaniker war klar, dass er sich mit dem ehemaligen Wohnmobil einen schon lange gehegten Traum erfüllen wird. Seit über fünf Jahren ist der L 319 nun zurück auf der Straße: als mobile Espresso-Bar.

Ein roter L 319 von Mercedes-Benz, an den sich ein Mann mit Hut lehnt

Ein Kfz-Mechaniker erkennt ein Juwel, wenn er eines sieht: Uwe Ziegler entdeckte den L 319 in der Werkstatt eines Bekannten – und baute ihn zur mobilen Espresso-Bar um.

Hot Dogs mit Vintage-Flair und ein L 319 als mobiler Tower.

Zu einem optischen Leckerbissen hat Christoph Kilz seinen L 319 umgebaut. Der Gründer des Foodtrucks Hotdog.de verkauft aus seinem Transporter, wer hätte es gedacht: Hot Dogs. Nicht nur bei den Zutaten überlässt er nichts dem Zufall, auch beim Ausbau des alten Mercedes-Benz Vans hatte Kilz einen klaren Plan: Das Flair der Sechziger wollte er versprühen.

Ein L 319 von Mercedes-Benz, der zum Foodtruck umgebaut wurde

Ein Hauch der 60er-Jahre umweht diesen Foodtruck von Hotdog.de. Die Basis ist ein L 319.

Ein Vintage-Van namens „Elliot“.

Wer vor Nitjas und Ralfs wunderschönem Häuschen vorfährt, fühlt sich wie in einen „Pippi Langstrumpf“-Film versetzt, so kunterbunt ist hier alles gestaltet. In der Einfahrt stehen diverse motorisierte Schmuckstücke aus dem vergangenen Jahrhundert und hinter dem Jugendstilhaus mit umhäkelter Regenrinne befindet sich ein mobiles Atelier in Form eines antiken Zirkuswagens. „Alte Dinge üben einfach eine große Faszination auf uns aus“, erklärt Nitja. „Vor allem in alte Busse haben sich Ralf und ich immer verliebt“, lacht die Kunsttherapeutin und öffnet die Scheune. Was strahlt einem da entgegen? Ein mintgrüner Mercedes-Benz L 319 aus dem Jahr 1967. Aus dem ehemaligen Feuerwehrauto hat das Paar einen Camper gemacht – und diesen „Elliot“ genannt.

Ein restaurierter Mercedes-Benz L 319 als Camping-Van.

Dieser Mercedes-Benz L 319 gehört einfach zur Familie dazu.

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