Seiner Zeit weit voraus – der Mercedes-Benz LE 306

Der LE 306 beim Batteriewechsel

Mit der neuen Marke EQ setzt Daimler heute Maßstäbe in Sachen Elektromobilität. Begonnen hat alles mit der Präsentation der Transporter-Studie LE 306 vor 45 Jahren.

Vom Konzept zum Großversuch

Im Jahr 1972 beginnt die Geschichte der elektrisch angetriebenen Fahrzeuge der Daimler AG. Auf den „Electric Vehicle Study Days“ wird die Transporter-Studie LE 306 dem Fachpublikum präsentiert. Noch im selben Jahr wird der Leichttransporter auch der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Bei den Olympischen Spielen kommt eine Flotte von Versuchsfahrzeugen zum Einsatz. In enger Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für elektrischen Straßenverkehr (GES) kommt schließlich sogar ein Großversuch mit 58 Fahrzeugen zustande. Fachzeitschriften wie „Lastauto Omnibus“ blicken dem innovativen Fahrzeug damals noch sehr skeptisch entgegen: Zu gering die Reichweite, zu teuer die Batterie.

Der Mercedes-Benz LE 306 mit Schriftzug steht vor einem Gabelstapler

Eine Technologie mit Potenzial

Dennoch erkennt die Fachpresse auch das Potenzial und die Vorteile, welche die neue Technologie mit sich bringt. Der LE 306 ist seiner Zeit weit voraus. Der auf Basis von L 207 und L 307 sowie von L 206 D und L 306 D erhältliche Transporter wird durch einen Gleichstrom-Nebenschlussmotor mit 35 bis 56 Kilowatt Leistung angetrieben. Dieser speist sich aus der Energie der 860 Kilogramm schweren 144-Volt-Batterie. Durch die Unterstützung der Industriepartner Varta (Batterie) und Kiepe (Elektroniksteuerung) bewältigt der LE 306 bereits damals eine Reichweite von 50 bis 100 Kilometern sowie eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern.

Der Mercedes-Benz LE 306 mit ausgefahrener Batterie

Ein Pionier der Elektromobilität

Darüber hinaus verfügt der LE 306 über ein geschicktes Batteriewechselsystem. Mit wenigen Handgriffen konnte die entladene Batterie seitlich herausgezogen und durch eine neue ersetzt werden. Außerdem wird bereits beim LE 306 das Prinzip der Rekuperation angewendet. Während des Bremsens wird die kinetische Energie in elektrische umgewandelt und in die Batterie eingespeist. Somit fungiert der Motor als Generator. Was damals ein Meilenstein der Ingenieurstechnik war, findet mittlerweile in vielen Fahrzeugen von Mercedes-Benz Anwendung. So wird die Rekuperation bis heute als Technologie zur Energiegewinnung genutzt. Der LE 306 hat eine wichtige Grundlage für die modernen Elektrofahrzeuge geschaffen und ist somit ein Pionier der Elektromobilität.

Steckbrief LE 306
Premiere 13./14. März 1972 bei den „Electric Vehicle Study Days“ des Internationalen Verbands der Elektro-Versorgungsunternehmen UNIPEDE (Union Internationale des Producteurs et Distributeurs d’Énergie Électrique)
Basis L 207/L 307 (70 PS/52 kW)

L 206 D/L 306 D (60 PS/44 kW)

Nachfolger T1 (TN) „Bremer Transporter“
Nutzlast 1.000 kg
Motor Gleichstrom-Nebenschlussmotor
Batterie 144 V (22 kWh)