Der L 319: ein wachsamer Veteran auf dem Flugplatz

Mitten im Leben: Obwohl der Mercedes-Benz L 319 zwischen 1956 – 1968 gebaut wurde, ist er heute noch zuverlässig im Einsatz. Zum Beispiel auf einem Segelflugplatz.

Der L 319 als Flugtower

Die heiße Sonne mischt sich mit einem lauen Wind, der über den Segelflugplatz Reiselfingen im Schwarzwald zieht. Mit knarzendem Geräusch wird die Winde aufgezogen und das Segelflugzeug in Startposition gerückt. Die Flugleitung hat Jürgen, er sitzt im Tower zwischen Telefon, Dokumenten und Laptop. Das Display flackert auf und zeigt gute Wetterbedingungen für den Tag an. Jürgen sitzt nicht in einem gewöhnlichen Tower wie man es von Flugplätzen kennt. Er sitzt in einer Glaskanzel, aufgebaut auf einen L 319, der auf einem benachbarten Hügel steht. Der L 319 verzeichnet viele Schrammen und der blaue Lack blättert bereits an manchen Stellen ab. Trotzdem verbringt der Lieferwagen seinen Ruhestand seit 25 Jahren tagein tagaus auf dem Flugplatz.

Ein treuer Begleiter auf dem Flugplatz

Der L 319 hat keine Straßenzulassung. Vereinsvorsitzender Markus Halbig meint dazu: „Er muss kaum mehr als einen Kilometer am Stück zurücklegen. Das schafft er tatsächlich noch problemlos, auch wenn er sicher keine TÜV-Prüfung mehr bestehen würde.“ An heißen Tagen werden Bierbänke an den L 319 gestellt, der Schatten auf der Flugplatzwiese spendet. Es herrscht gute Stimmung auf dem Flugplatz. „So ein Fliegerverein funktioniert nur dann, wenn alle bereit sind mit Hand anzulegen.“

Mercedes-Benz 813 mit Seilwinde

Mercedes-Benz 813 hilft beim Flugstart

Der L 319 ist nicht der einzige Oldtimer auf dem Gelände. Ein alter Mercedes-Benz 813 befördert mit einer Winde Segelflugzeuge in die Luft. Das Segelflugzeug wird dabei an das Seil befestigt, die Seilwinde auf dem 813 wird eingespult, während der Segelflieger durch den Seilzug langsam an Höhe gewinnt. Jürgen klettert aus dem Tower auf den Fahrersitz. Ein warmer Sommertag geht zu Ende. Gemächlich rollt der L 319 nach getaner Arbeit in die Halle, während auf dem Feld das Gras gemäht wird. „Der Keilriemen wird morgen früh noch ausgetauscht. Es wird wieder gutes Wetter zum Fliegen geben,“ meint Jürgen, während er die Halle verriegelt.

Fotos: Segelflug-Club Reiselfingen