Skandinavien mit dem MB 100: Roadtrip in die große Freiheit

Die Natur Skandinaviens raubte Andreas Schmidt von Anfang an den Atem – und so kehrt er immer wieder dorthin zurück. Sein Begleiter: der MB 100.

In der Stille Norwegens

Hinter den schroffen Felswänden erstreckt sich der tiefblaue Ozean. Darüber ziehen Seeadler ihre Kreise. Und nachts tanzen die Nordlichter über den Horizont: Grün, violett und blau spiegeln sie sich im ruhigen Gewässer. Wer in Europa die unberührte Natur sucht, wird auf den norwegischen Lofoten mit Sicherheit fündig. Inmitten dieser unvergleichlichen Landschaft steht Andreas Schmidt aus Germering bei München. Er genießt die Ruhe, die ihm Skandinavien bietet. „Man hört Geräusche, die es zu Hause im Grunde gar nicht gibt. In dieser Stille kann ich sehr gut nachdenken“, erklärt der 36-Jährige. Auch deshalb begibt sich Andreas immer wieder auf den langen Weg Richtung Norden. Sein treuer Begleiter: ein türkisgrüner MB 100.

Steckbrief MB 100

Steckbrief MB 100
Hersteller  Mercedes-Benz
Produktionszeitraum  1988 – 1996
Baujahr 12/95 (also einer von den Letzten)
Produktionsstandort  Vitoria / Spain
Zugrundeliegendes Modell/ Nachfolgermodell  W631, MB100D/ Mercedes-Benz Vito
Motor OM 616, 2,4-Liter-Saugdiesel
Leistung 75-PS-Version
Bauformen Kastenwagen, Kleinbus, Pritschenwagen
Länge/ Breite/ Höhe 5,1 m/ 1,85 m/ 2,5 m
Radstand/ Zulässiges Gesamtgewicht 2.675 mm/ 2,81 t
Besonderheit ABS

Hotel mit Meerblick? Lieber ein Schlafplatz am Strand

Mit dem Van zu verreisen, bedeutet für Andreas nichts Geringeres als Freiheit. Ein Hotel buchen? Für ihn keine Option. Denn: „Mit dem MB 100 brauche ich kein Zimmer mit Meerblick, sondern parke einfach direkt am Strand.“ Seinen Van entdeckte er im Jahr 2007 in einer Zeitungsannonce – mit optischen Mängeln, technisch aber intakt. Für Andreas ist das mittlerweile liebevoll restaurierte Wohnmobil ideal für lange Roadtrips – auch wegen des einzigartigen Fahrgefühls: „Der MB 100 ist gemütlich, zuverlässig und entschleunigt.“

9 Tipps von Andreas Schmidt für einen Roadtrip mit dem Van durch Skandinavien
Fahrzeug kennenlernen: Besonders Van-Neulingen lege ich nahe, mit ihrem mobilen Zuhause erst mal kleinere Ausflüge zu unternehmen.
Planung: Die besten Abenteuer ereignen sich unterwegs und lassen sich nicht planen. Deshalb entscheide ich gerne spontan, wohin es geht
Ausrüstung: Vor Abfahrt unbedingt eine Fahrzeuginspektion durchführen! Außerdem solltet ihr für einen ausreichenden Vorrat an Gas, Frischwasser und Lebensmitteln sorgen.
Kleidung: Wetterfeste Klamotten und Wanderschuhe nicht vergessen! Denn auch wenn das nordische Wetter besser ist als sein Ruf: Man sollte auf alles vorbereitet sein.
Gepäck: Im abgeschiedenen Norden ist eine Reiseapotheke geradezu Pflicht. Bei langen Wanderungen kann außerdem ein GPS-Gerät nützlich sein.
Straßenverkehr: Der ist in Skandinavien grundsätzlich entspannt. Doch Rentiere kreuzen garantiert dann euren Weg, wenn ihr am wenigsten damit rechnet. Also: Langsam fahren, konzentriert bleiben und bremsbereit sein. In Norwegen gibt es außerdem „Section Control“-Blitzer – und die Bußgelder sind wirklich teuer.
Campen: Für die Campingplätze braucht ihr die skandinavische „Camping Kort“, die ihr euch am besten noch zu Hause online bestellt. Ansonsten ist das Campen in der Natur zu empfehlen – gern auch in der Nähe eines Hafens, wo man oft für wenig Geld luxuriös duschen kann.
Preise: Skandinavien gilt als besonders teuer. Und tatsächlich steigen die Preise von Dänemark über Schweden bis Norwegen stetig. Allerdings spart ihr euch durch das Campen viel Geld und auch die inländischen Fähren sind nicht so teuer, wie man es erwarten würde.
Essen: Heimische Produkte – sprich Fisch und Rentier – sind meist recht günstig. Also entdeckt Skandinavien unbedingt auch kulinarisch!

Süchtig nach der Vielfalt des Nordens

Noch während seiner ersten Reise durch Skandinavien weiß Andreas: Er wird zurückkehren, noch größere Touren fahren. Denn mit jedem Tag und jedem weiteren Kilometer verliebt er sich mehr in die Vielfalt des Nordens: in den Schnee auf der Hochebene, die Strände der Küste, die neblige Herbststimmung am Fjord. „Selbst die Dunkelheit Skandinaviens kann etwas sehr Schönes sein, ja geradezu süchtig machen“, schwärmt er. Denn im Dunkeln zeigen sich die Nordlichter – für Andreas das schönste Naturschauspiel der Welt. Diese Erlebnisse hinterlassen auch im Alltag ihre Spuren: „Man merkt, wie wenig man zum Leben braucht. Denn alles, was ich brauche, passt in meinen MB 100.“

Ein türkisgrüner MB 100 steht vor einem herabfallenden Wasserfall

Ob Norwegen, Dänemark, Finnland oder Schweden: Skandinavien, das bedeutet die große Freiheit. Es lohnt sich zwar auch, in Norwegen bekannte Sehenswürdigkeiten wie die Felsplattform Preikestolen, das Nordkap oder den tiefblauen Geirangerfjord zu besichtigen – Van-Liebhabern empfehle ich jedoch folgende Route:

A. Ausgangspunkt ist der Ort Vevang. Hier fährt man auf die Atlantikstraße – eine der spektakulärsten Straßen Europas. Denn: Sie führt geradezu über das offene Meer.

B. Nach einem Zwischenstopp in Trondheim geht es weiter die Küste entlang. Von einigen Fährpassagen unterbrochen, bietet die Straße Kystriksveien zahlreiche Schlafplätze mit unvergleichlicher Aussicht.

C. In Bodø angekommen, gelangt ihr via Fähre auf die wunderschönen Lofoten-Inseln. Schwindelfrei? Dann geht unbedingt auf dem Reinebringen wandern.

D. Neben den Lofoten liegen die Vesterålen. Zu bestaunen sind hier nicht nur die Nordlichter, sondern auch Wale aus nächster Nähe.

E. Im länderübergreifenden Lappland führen die Straßen oft stundenlang nur geradeaus, doch gerade die Weite dieser Landschaft ist atemberaubend.

F. Mein absoluter Lieblingsort: Der nördlichste Festlandsleuchtturm der Welt: Slettnes Fyr. Neben dem verschlafenen Örtchen Gamvik gelegen, fühlt man sich hier wirklich wie am Ende der Welt.


Fotos: Andreas Schmidt