Reifenpanne mit dem Van: Was tun, wenn es knallt und zischt?

Ein Mercedes-Benz Sprinter parkt seitlich in einer Haltebuch in der Natur

Unwegsames Gelände, unbefestigte Straßen, kilometerweit kein Mensch zu sehen, um einen herum das Nirgendwo und plötzlich geht es nicht mehr weiter …

Peng! Wenn der Reifen bei voller Fahrt platzt.

Wer das Abenteuer sucht, muss manchmal auch schlecht befestigte Straßen, Schotterwege oder holprige Tretpfade in Kauf nehmen. Gerade Sprinter, Vito und Citan sind mit dem 4×4-Antrieb für solche Strecken gut gerüstet. Dennoch kann es passieren, dass sich ein Nagel, ein Metallstück, ein spitzer Ast oder Stein in den Reifen bohrt. Dabei gilt: Wer gerade noch Gas gibt und plötzlich einen lauten Knall hört, sollte Ruhe bewahren. Wichtig ist es, nicht zu übersteuern oder im Schreck das Lenkrad zu verziehen!

Ein Mercedes-Benz Vito fährt über eine staubige Baustelle

Baustellen und steinige Straßen sind riskant für die Reifen – schnell bohrt sich ein Nagel oder ein spitzer Stein in den Reifen.

Die ersten Schritte bei jeder Panne

  1. Tief durchatmen.
    Entscheidend ist: Ruhig bleiben! Das gilt vor allem bei Pannen auf vielbefahrenen Autobahnen, aber ebenfalls bei Zwischenfällen, die fernab der großen Routen passieren.
  2. Andere Verkehrsteilnehmer warnen.
    Als Erstes den Warnblinker betätigen, denn auch auf Waldstraßen können Auffahrunfälle passieren. Funktioniert dieser nicht mehr, gilt es, die Unfallstelle sofort abzusichern.
  3. Raus aus der Gefahrenzone.
    Wenn sich der Van noch bewegen lässt, direkt eine sichere Abstellfläche suchen. Auf der Autobahn am besten in einer Pannenbucht parken, ansonsten auf dem Seitenstreifen. Befinden Sie sich abseits der Straßen, gilt auch hier: Eine Stelle suchen, wo kein heranrauschender Pkw oder Lkw Sie erfassen könnte.
  4. Nichts Riskantes unternehmen.
    Wenn das Auto sich nicht bewegen lässt oder sobald es abgestellt ist, dann achten Sie darauf: Nicht aussteigen, ohne Ihr Umfeld genau zu beobachten. Immer auf der Beifahrerseite beziehungsweise von der Straße weg aussteigen.
  5. Die Warnweste anlegen.
    Orange steht jedem gut. In Spanien und Italien gilt die Warnwesten-Pflicht schon seit 2004, in Deutschland seit 2014. In den USA ist das Mitführen der Weste nur in manchen Staaten verpflichtend. Es ist jedoch – egal wo – immer ratsam, eine Warnweste zur Hand zu haben. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, packt am besten mehr als zwei ein, damit auch jeder Mitfahrer im Pannenfall auf sich aufmerksam machen kann.
  6. Warndreieck oder Fackeln aufbauen.
    In Europa ist in fast allen Ländern ein Warndreieck Pflicht. Dieses muss – je nach Umgebung – mit 50 bis 400 Meter Entfernung zur Unfallstelle aufgestellt werden. Sollte eine Kurve die Sicht auf Ihr Fahrzeug verdecken, sollten Sie das Warndreieck vor Beginn der Kurve aufstellen. In den USA oder anderen Ländern wie etwa Südafrika benutzen Unfallteilnehmer häufig auch „Fackeln“ (sogenannte „Flares“). Diese leuchten entweder mit LEDs oder werden entzündet, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Achten Sie darauf, dass Sie sich beim Aufstellen nicht in Gefahr bringen.
  7. Hilfe holen.
    Sobald die Pannenstelle abgesichert ist, können Sie sich um das Problem kümmern. Beim Warten oder Nachdenken hinter der Leitplanke oder an einem anderen geeigneten Ort in Sicherheit bringen. Als Mitglied in einem Automobil-Club können Sie diesen kontaktieren, ansonsten hilft ein Anruf beim Abschlepp- oder Pannendienst. Wichtig: Immer den genauen Standort übermitteln. Mit Smartphone oder GPS-Gerät lässt sich dieser genau identifizieren.
  8. Selbst anpacken.
    Wer das Problem selbst angehen möchte und das nötige Equipment eingepackt hat, kann sich an unseren Pannen-Tipps orientieren. Auch hier ist wichtig: Dafür sorgen, dass Ihnen dabei nichts passieren kann und Sie auf einem sicheren Parkplatz stehen.

Notfall-Tipp: Dichtmittel als Übergangslösung.

Als Erstes den Reifen checken und den Fremdkörper vorsichtig entfernen. Wer nur ein kleines Loch im Reifen entdeckt und ein Pannenspray mit Reifendichtmittel eingepackt hat, kann dieses verwenden. Hierbei handelt es sich nur um eine Übergangslösung, denn das Dichtmittel droht langfristig die Ventile zu verkleben. Ist noch genug Luft im Reifen und das Loch ist vorerst dicht, lassen sich damit kurze Wege, wie zur Werkstatt oder zur nächsten Stadt, zurücklegen. Wichtig: Nicht hektisch losrasen, sondern möglichst unter 60 km/h bleiben.

Reifen des Mercedes-Benz Vito

Ist der Reifen mal defekt, gilt: Auf keinen Fall weiterfahren, sonst drohen Schlingern und Kontrollverlust.

Wie wechselt man einen Reifen? Die Vorbereitung.

Die erste Maßnahme vorm Reifenwechsel dient dazu, das Fahrzeug zu stabilisieren. Wenn der Untergrund das Rad einsinken lässt, hilft ein untergeschobenes Brett. In Sprinter, Vito und Citan finden Sie ein Ersatzrad unterhalb der hinteren Ladefläche. Eine genaue Anleitung wie das Reserverad ausgebaut wird, können Sie sich auf dem Mercedes-Benz Vans YouTube-Channel anschauen.

Was ist beim Reifenwechsel zu beachten?

Wer sich unsicher ist, wirft noch mal einen Blick in die Bedienungsanleitung. Dort wird erklärt, worauf im Speziellen zu achten ist – beispielsweise, wo Sie den Wagenheber finden. Wichtig ist vor allem, dass das Fahrzeug eben und sicher steht. Dafür sollten Sie die Handbremse anziehen und den ersten Gang einlegen. Handelt es sich um einen Automatik-Van, gilt es, den Schalter auf „P“ zu stellen. Reicht das noch nicht für einen sicheren Stand, notfalls mit einem Stein das Wegrollen verhindern.

Was Sie unbedingt brauchen:

  • Radkreuz
  • Radmutternschlüssel
  • Drehmomentschlüssel
  • Wagenheber
  • Ersatzrad
  • Warnweste
  • Arbeitshandschuhe
  • Reserverad mit genügend Luftdruck

Ein Mann tauscht das Rad seines Mercedes-Benz Van

Wichtig für alle DIY-Fans: Immer das nötige Werkzeug einpacken.

Schritt 1 – Das beschädigte Rad entfernen.

  • Um den Vorgang schnell und effektiv abzuwickeln, am besten das Werkzeug und das Ersatzrad ordentlich bereitlegen.
  • Radkappe (falls vorhanden) mit dem Radmutternschlüssel abhebeln, anschließend mit dem Radkreuz die Radbolzen kreuzweise um eine halbe Umdrehung lockern.
  • Den Wagenheber so ansetzen, dass sich das auszutauschende Rad in die Luft hebt und die Montagehöhe erreicht ist. Infos dazu finden Sie in der Bedienungsanleitung und der darin abgebildeten Sicherheitsanweisung.
  • Anschließend die Radmuttern komplett abschrauben, das kaputte Rad ablösen und unter dem Van ablegen. (Achtung beim Rad droht Wegrollgefahr!)

Zwei Mercedes-Benz Vans stehen auf einer holprigen Strecke

Auch auf entlegenen Straßen darauf achten, dass man keine anderen Fahrzeuge behindert, sondern gut sichtbar und sicher steht.

Schritt 2 – Das Ersatzrad montieren.

  • Das Reserverad aufsetzen und alle Radmuttern handfest anschrauben.
  • Unbedingt dabei nur unbeschädigte Radmuttern und -schrauben benutzen.
  • Das demontierte Rad unterm Van hervorholen.
  • Anschließend den Van wieder ablassen, am besten so weit, dass die Reifen gerade so aufliegen.
Auf schlammigem Gelände wird ein Reifen aufgepumpt

In Sachen Reifendruck ist es hilfreich, Kompressor und Druckmesser einzupacken.

Schritt 3 – Die Radmuttern anziehen.

  • Nun die Radmuttern kreuzweise und in der Laufrichtung des Reifens mit dem Drehmomentschlüssel anziehen. Hier das von Mercedes-Benz vorgeschriebene Anzugsdrehmoment beachten – Sie finden es im Handbuch.
  • Nun Ihr Werkzeug, das alte Rad und den Wagenheber wieder gut verstauen.
  • Vor dem Losfahren daran denken, das Warndreieck wieder einzusammeln!
Ein Sprinter 4x4 fährt durch ein Wasserloch

Befindet man sich fern von der Zivilisation, dann hilft nur: Selbst anpacken und Reifen wechseln.

Was ist bei der Fahrt mit dem Ersatzrad zu beachten?

Während der ersten Kilometer mit dem Ersatzrad sollte Sie eine gemäßigte Geschwindigkeit einhalten. Häufig hat dieses einen niedrigen Reifendruck und das Fahrzeug reagiert anders als gewohnt. Daher am besten an der nächsten Tankstelle direkt aufpumpen und die Radmuttern erneut anziehen. Bei Gelegenheit in der Werkstatt die Anzugsdrehmomente der Radmuttern überprüfen lassen. Sind diese zu locker oder zu fest eingestellt, droht eine Beschädigung des Gewindes oder ein Lösen der Schrauben. Ein Reifen lässt sich übrigens auch wieder langfristig flicken, wenn dieser frisch gekauft und das Profil noch nicht abgefahren ist. Werkstätten können in diesem Fall das Loch mit einem Füllband von innen versiegeln.

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Mercedes-Benz Sprinter
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