Röstbohnen aus Hamburg: Start-up mit Leidenschaft für guten Kaffee

Argin Keshishian und seine Brüder Sevak und Arameh vor ihrem Mercedes-Benz Vito

Direkt an der Elbe hat Argin Keshishian seine eigene Rösterei eröffnet. Unter dem Namen Public Coffee Roasters dreht sich bei ihm und seinen Mitarbeitern alles um die Bohne.

Rösterei zwischen Enten und Elbe

Montagmorgen, 8.15 Uhr. Argin Keshishian balanciert mit einer Sackkarre schwere Kaffeesäcke über einen schmalen Holzsteg. Die Bohnen nicht in Cafés von Bekannten zu rösten, sondern in der eigenen Rösterei – das war ein Traum, der sich für Argin nicht von heute auf morgen erfüllte. An der Elbe entdeckte er Ende 2014 sechs Zollhäuser, vermodert und heruntergekommen, sie sollten abgerissen werden. Sein erster Gedanke war: Hier soll seine Rösterei entstehen, hier oder gar nicht. Seine Freunde zweifelten an seinem Verstand. Zwei Jahre lang stellte er Anträge bei Behörden und bangte um Genehmigungen – bis er durch Zufall den Inhaber eines maritimen Unternehmens kennenlernte. Durch die dargebotene Renovierungshilfe und den Kontakt zu den Hafenbehörden ging es dann auf einmal ganz schnell. Heute sind die ehemaligen Zollhäuser kernsaniert und Argin röstet in direkter Nachbarschaft zum Café Entenwerder1, das auf Pontons in der Elbe schwimmt und dessen Herz, der „goldene Pavillon“, schon auf einer Kunstausstellung in Münster stand. Selbstredend stammt der Kaffee, der hier ausgeschenkt wird, aus dem Röster der Public Coffee Roasters.

Ein weißer Mercedes-Benz Vito mit Hamburger Kennzeichen

Der Wagen, der alles möglich macht

Dass Argin einmal Kaffee rösten würde, war nicht abzusehen. Er hatte Betriebswirtschaftslehre und Sozialökonomie in Hamburg studiert und war im internationalen Handel tätig. Er arbeitete in einem Familienunternehmen, das so unterschiedliche Waren wie Chemikalien, Lkw-Ersatzteilen oder Maschinenanlagen vertrieb. Als gebürtiger Iraner spricht er neben Farsi und Armenisch auch Deutsch und Englisch. Aufgrund seiner Sprachtalente belieferte er schließlich das Mercedes-Benz Werk im Iran. Als dann 2012 Wirtschaftssanktionen verhängt wurden, schränkte sich sein Aufgabenbereich so weit ein, dass er sich neu orientieren wollte. Der Marke Mercedes-Benz ist er aber bis heute treu geblieben: In seiner täglichen Arbeit in der Rösterei unterstützt ihn sein Vito, der die Lieferungen zu den Kunden bringt und den Stand für Kaffee-Caterings sowie die bis zu 70 Kilogramm schweren Kaffeesäcke transportiert. Für Argin ist er „der Wagen für alles“.

Eine Kaffeemaschine brüht den frischen Kaffee auf

Lebendige Kaffeeszene in Hamburg

Doch warum fiel die Wahl bei seiner Neuorientierung auf Kaffee? Die Produktion von anderen hochwertigen Genussmitteln wie Wein oder Öl hätte sich Argin auch gut vorstellen können. Denn in seiner Familie waren gute Lebensmittel immer sehr wichtig und schon früh hat er gelernt, Naturprodukte wertzuschätzen. Seine Leidenschaft für Kaffee rührt aus einer Zeit, in der er sich mit seinem Vater oft in Cafés getroffen hat. Bei einer Tasse Kaffee konnten Argin und sein Vater, ein promovierter Sprachwissenschaftler und vielbeschäftigter politischer Ökonom, über die verschiedensten Themen diskutieren. „Die besten Gespräche hat man immer noch bei einem Kaffee“, ist den Public Coffee Roasters als Motto geblieben. Schon als Argin vor acht Jahren zum Studieren nach Hamburg kam, faszinierte ihn die dynamische Hafenstadt. Jedes Jahr kommen hier etwa 700.000 Tonnen Rohkaffee an. Das lässt in Hamburg auch die Spezialitätenkaffee-Szene wachsen. Es waren auch diese Dynamik und Begeisterung der damals noch kleinen Szene, von denen sich Argin anstecken ließ.

Die besten Gespräche hat man immer noch bei einem Kaffee

Argin Keshishian vor seinem Kaffeeröster

Kaffee ist Kunst

„Kaffee ist Kunst.“ Ein Satz, der in gewissen Kreisen westlicher Großstädte schon Allgemeingültigkeit erlangt hat, hinterlässt woanders so manchen fragenden Blick. Doch genau nach diesem Leitspruch rösten die Public Coffee Roasters. Third Wave Coffee, auch Spezialitätenkaffee genannt, ist für sie die „Renaissance des Brühkaffees“. Die erste Kaffeewelle kam um 1950 und brachte abgepackten, gemahlenen Kaffee in die Supermärkte und das braune Getränk in die Frühstückstassen der Bessergestellten. Die zweite Welle umfasst die Jahre 1960 bis 1990, als Kaffee und private Espressomaschinen erschwinglicher wurden. Begleitet von Sirups und Aromen erreichte er die Cafés und wurde zu einem Lifestyle-Produkt, bis hin zum schnellen To-Go-Becher, der den Kaffee zum ständigen Begleiter macht. Die Third Wave widmet sich hingegen wieder dem Kaffee an sich. Qualität und fairer Handel stehen im Vordergrund. Für den Kaffeegenuss nimmt man sich Zeit und genießt pur, denn nur so kann man die verschiedenen Geschmacksnuancen schmecken.

Gäste sitzen bei einer Tasse Kaffee vor dem Café in der Sonne

RELATED ARTICLE

2013 kamen Francisco, Gonçalo und João auf die Idee, ein mobiles Café zu gründen. Kurzerhand bauten sie einen Mercedes-Benz N 1300 zum „Combi Coffee“ um. Seit 2015 verwöhnt das Trio nun die Kaffeeliebhaber Portos.

> Erfahre mehr über  Combi Coffee

Mercedes-Benz N1300 Combi Coffee

Und heute?

Mittlerweile besteht das Team der Public Coffee Roasters aus 14 festen Mitarbeitern. Die Hierarchien sind flach, die Stimmung ist gut. Januar 2016 konnten sie ihre erste Röstung in den ehemaligen Zollhäusern durchführen. Ihr Café in der Wexstraße ist längst kein Geheimtipp mehr und ihr Kaffee wird in verschiedenen Hamburger Cafés ausgeschenkt. Neben Röstkaffee bieten die Public Coffee Roasters auch Barista-Schulungen an, beraten Betriebe und Privathaushalte und sind im Vito mit ihrem Kaffeestand auf Messen, Festivals und anderen Events unterwegs. Viel Action für einen Schluck Kaffee – aber so gehört sich das beim Third Wave Coffee. Nach einem langen Arbeitstag entspannt Argin dann am liebsten bei einer Tasse Kaffee mit Blick über die Elbe in seiner Rösterei – ein Ort, an dem er sich immer wohlfühlt.

Der Vito setzt Maßstäbe unter den Mid-Size Vans. Als flexibler Vollprofi unter den Transportern zwischen 2,5 – 3,2 Tonnen Gesamtgewicht wartet er mit zahlreichen Spitzenleistungen auf.