Auf dem Holzweg: ein Tischler im Sprinter

Handwerker Yoav Elkayam hat sich seinen Traum-Van ausgebaut. In seiner rollenden Wohn-Werkstatt zaubert er Gebrauchsgegenstände aus Holz.

Der Traum von Freiheit

Früher, als Yoav noch nicht Mercedes-Benz fuhr, hatte er ein Zelt. Ein großes, transportables Zelt, mit dem er durch Europa zog, Freunde besuchte, arbeitete, andere Handwerker und Reisende traf. „Nach den ersten Wochen“, erzählt Yoav, „fühlte ich mich, als hätte ich auf Knopfdruck die Sorgen und Zwänge meines alten Lebens hinter mir gelassen.“ Ein Jahr lang lebte der junge Brite im Zelt, „dann wurde es mir doch etwas zu unbequem“. Er brauchte Platz für sein Werkzeug, ein wärmeres Bett in kalten Nächten und noch mehr Möglichkeiten, sich frei zu bewegen. Seinen Mercedes-Benz Sprinter kaufte er gebraucht mit wenigen gefahrenen Kilometern und baute ihn sich während einer Housesitting-Zeit im Norden von England nach seinen Vorstellungen um.

In seinem Mercedes-Benz Sprinter 2003 sitzt Yoav Elkayam und trinkt Kaffee

Ein neues Leben im Umzugswagen

Der Sprinter hatte zuvor einer Umzugsfirma gehört, Handwerker Yoav schuf sich in liebevoller Kleinarbeit ein rollendes Zuhause mit eingebauter Werkstatt. Wie auch für seine Produkte verwendete er dafür nur Holz von frisch geschlagenen Bäumen. Küche, Sofa, Bett, Kommoden, Werkbank – alles Handarbeit. Für seinen Eingangsbereich am Heck verarbeitete Yoav die alte Haustür eines Freundes, in die Seitenwände ließ er Fenster einbauen, das Dach ist aus Fiberglas. Für die kalten Nächte im Winter hat sein Sprinter-Traumhaus einen Holzofen – genügend Holzreste als Brennmaterial produziert Yoav bei seiner Arbeit, wieder ein paar mehr gesparte Euro. „Es ist ein Leben, wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Yoav. „Ich zahle keine Miete, keine Rechnungen, bin überall und nirgendwo zu Hause und bin mein eigener Herr.“

Ansicht des mit Holz ausgebauten Innenraums eines Sprinter

Der grüne Daumen

Seinen Lebensunterhalt bestreitet Yoav mit der Herstellung und dem Verkauf seiner Holzkunst. Produziert wird die handgemachte Ware direkt im Van, verkauft wird sie via Internet in die ganze Welt. „Ich möchte einfache und elegante Gebrauchsgegenstände aus Holz erschaffen, Teller, Tassen, Töpfe. Während der Handarbeit lernt man das verschiedenartige Holz erst richtig kennen, es ist eine wunderbare Aufgabe.“ Um sich die entsprechende Inspiration zu holen, fährt Yoav mit seinem Van gerne in den Wald, auf eine Lichtung oder an einen See. Er genießt die Ruhe und die Stille und die Geräusche der Natur. „Es ist so sauber, so schön, so eine Atmosphäre gibt es in keiner Werkstatt auf der Welt.“ Außerdem, behauptet der Holzexperte, verursacht Essen vom Holz Superkräfte. Wir wollen ihm das einfach mal glauben.

Ich möchte diese Freiheit nie wieder eintauschen.

Ein Mann sitzt in der Tür eines Sprinter und schnitzt Löffel

Aus anderem Holz geschnitzt

Yoav hat sich für den Sprinter entschieden, weil „die Vans von Mercedes-Benz so zuverlässig sind und sie jeder Mechaniker kennt“. Der Wagen hat viele Tausend Kilometer ohne Probleme überstanden, nur einmal blieb er mitten in einem Matschloch nahe eines Sees in Andalusien stecken. Urlauber aus Deutschland, Israel und Frankreich versuchten, den Karren wieder aus dem Dreck zu ziehen. Aber erst ein zufällig vorbeikommender Bauer im Geländewagen hatte Erfolg. Für Yoav eine jener Geschichten, die so nur auf der Straße passieren. Dem Bauern schenkte er übrigens einen frisch geschnitzten Holzlöffel. Yoav wird weiter durch Europa touren, weiter Abenteuer erleben und mit seinem Sprinter unter den Bäumen stehen, um mit Holz zu arbeiten. „Diese Freiheit“, sagt er, „möchte ich eigentlich nie wieder eintauschen.“

Frische Ware

Auf Instagram lässt Yoav seine Follower und Kunden an seinem Leben auf der Straße teilhaben, außerdem zeigt er hier seine neuesten Entwürfe. Und auf seiner Homepage yoavkafets.bigcartel.com kann man wunderschöne, selbst gestaltete Produkte kaufen. Löffel kosten zum Beispiel zwischen 30 und 40 Pfund (rund 35 bis 45 Euro) – pro Stück. Gute Arbeit aus dem Wald hat eben ihren Preis.


Fotos: Yoav Elkayam